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Mittwoch, Februar 02, 2005

Aktion "Wehrt euch gegen den Begriff Volks-Mac!"

Ich habe die Szene lebhaft vor Augen: das Goldkettchen auf der behaarten Brust eröffnet er stolz am Frühstückstisch seiner blondierten Freundin "Süße, ich glaub' ich hol mir nen Mäck". Verständnislos blinzelt sie von ihrer "Fit for Fun" auf und säuselt "Aber Darling, wir wollten doch abnehmen!" Mit einem unterdrückten Seufzer widmet er sich wieder seiner BILD-Zeitung und liest die neueste Aktion: "Der Volks-Mac ist da. Eine Kooperation von BILD und Walmart".

Spätestens hier klingeln bei jedem echten Apple-Jünger die Alarmglocken. Nachdem die BILD seit Tagen, ja sogar Wochen, schon den Mac mini lobpreist, ist der "Volks Mac" sicher auch nicht mehr weit. Einfach eine logische Schlussfolgerung, wobei ja bereits gemunkelt wird, dass Walmart den Mac mini vielleicht mit ins Sortiment aufnehmen will.

Daraus resultiert Schreckensszenario Nummer 2: lange Schlangen an der Walmart-Kasse...im Einkaufswagen stapeln sich Aufschnitt, die SportBILD, ein Kasten Bier und - prominent darauf platziert, dass es auch ja jeder sieht: ein Mac mini. "Herr Müller Kasse zwei bittä....was koscht'n der kloi' Compuuuter hier?"

Darf man das zulassen? War Apple nicht immer ein bißchen elitär? Die intellektuelle Elite spricht darüber, nutzt Macs, kann mit den Problemen einer anderen, Windows-lastigen Welt nichts anfangen. Außerdem: Macs sind doch nur was für Schwule. Ein Computer für Anfänger. Wird ja wenn dann nur mit einer Maus mit einer Taste geliefert.
Und jetzt wird dieses Wunderwerk minimalistischer Designer- und Ingenieurskunst auf immer mehr IKEA-Schreibtischen stehen. Wichtig werden die ehemaligen Manta-Fahrer dieser Welt ihren Freunden am Stammtisch berichten, dass sie mal schnell ein paar Bilder von Horst-Kevins Geburtstagsparty in ihren Mac geladen haben. Ich sage es jetzt schon voraus: man wird natürlich darauf Wert legen, dem Umfeld mitzuteilen, dass man einen Apple-Rechner daheim stehen hat (wobei ich - auch ohne Schiedsrichter zu sein - wette, dass gut ein Viertel noch nicht mal wissen wird, dass der Mac mini von Apple ist!)

Ist es Neid, der mich zu diesem Artikel treibt? Die Angst, dass ein gewisses Produkt nichts besonderes mehr ist? Dass ein Apple-Rechner den Gang des Mobiltelefons geht? (von "huh....bist du wichtig" bis zu "geil, ich habe mir den "besoffenen Elch" als Klingelton runtergeladen")

NEIN - natürlich nicht! Ich wehre mich nur gegen den Begriff Volks-Mac und dass die Menschen die Achtung vor einem Gerät verlieren, über das Jahrelang abgelästert wurde, für dessen Besitz man sich verteidigen musste. Und dagegen, dass sie ihn einfach nur als eine weitere Art Computer sehen.

Zum "Glück" ist es aber weiterhin der Fall, dass die von mir angesprochene Zielgruppe oftmals Wert auf Protzereien legt. "Meiner ist schneller", "Mein PC liegt in den Bäntschmarks vor dem Mac mini", "Ich habe dafür ein Diskettenlaufwerk!"

Es besteht also noch Hoffnung...

Update:
"Auch du, Macwelt..." Schämt euch!!! *Buuuuu*

Update die Zweite
Um das nochmal klar zu stellen: hier geht's nicht darum, DASS sich die Leute den Mac mini kaufen. Soll doch ruhig jeder auf die "helle Seite der Macht" kommen. Auch nicht darum, in elitären Denkweisen zu verharren. Aber dieser Begriff....


1 Kommentar(e):

At 12:04 PM, Dee so...

Hallo Steffen,

ich stimme dir da voll und ganz zu.
Der Begriff "VolksMac" stößt mir auch etwas sauer auf.
Ich sehe es auch immer gern, wenn Computerbenutzer den Mac entdecken, aber dann bitte mit Stil. Sehr viele, die einen Mac besitzen haben sich eingehender damit beschäftigt; jeder Mac-Besitzer ist ein stolzer Mac-Besitzer und weiß, was in ihm (sowohl ihm selber als auch in der Maschine) steckt. Und nun sollen evtl. Macs zwischen zweite-Wahl-Socken und Pfefferminz-Drops mal so eben nebenbei bei Walmart vertickt werden? Also nein, "da bin ich nich' für"!.

Macs für alle... Alle, die wissen, das Apple nicht nur was mit Obst zu tun hat und trotzdem auf den Geschmack gekommen sind.

Dee

 

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